Giuseppe Marcone Stiftung

Giuseppe

Der Vorfall:

Am 17. September 2011 um kurz vor 5 Uhr morgens befindet sich Giuseppe mit einem Freund auf dem Heimweg, als sie von drei Männern aggressiv nach Zigaretten gefragt werden. Daraufhin kommt es im U-Bahnhof Kaiserdamm zu einer Auseinandersetzung. Um dem aufgeflammten Konflikt entgegenzuwirken entschließen sich Giuseppe und sein Freund den Bahnhof zu verlassen. Die Männer folgen ihnen und greifen sie an. Als Giuseppe versucht, vor den Tätern zu fliehen, weil er die Situation als heikel erkennt, beginnt eine Hetzjagd. Er verlässt den U-Bahnhof und rennt über den Kaiserdamm. Ein Auto erfasst ihn, er wird durch die Luft geschleudert und direkt gegen einen Ampelmast geworfen. Während die Täter sich im Taxi davonmachen, versucht Giuseppes Freund ihn wiederzubeleben. Doch weder er, noch der eilig herbeigerufene Rettungsdienst, können sein Leben retten. Giuseppe stirbt noch am Unfallort.

 

Giuseppe, die Person, der Freund, der Familienmensch:

Giuseppe Marcone wurde als Sohn bulgarischer und italienischer Immigranten in Deutschland geboren. Er wuchs in Berlin Charlottenburg auf und wurde durch die verschiedensten Einflüsse seiner Jugend, sei es durch Freunde, Familie oder persönliche Erfahrungen geprägt und beeinflusst und hinterließ selbst auch bei jedem, der ihn kennen lernen durfte, einen prägenden Eindruck. Giuseppe war ein aufgeschlossener, sympathischer und vor allem hilfsbereiter Junge, dessen Wertevorstellung in unser heutigen gefühlserkalteten Gesellschaft bemerkenswert und inspirierend auf seine Mitmenschen wirkte. Diese großartigen Charakterzüge beschafften ihm Beliebtheit und Freundschaft,egal wo er sich zeigte. Giuseppe schaffte es, sich in die verschiedensten Freundeskreise zu integrieren und verpasste jeder dieser Gruppen eine ganz besondere Marke. Man war stolz, Giuseppe einen Freund nennen zu dürfen, denn egal wieviele Freunde er hatte, er versuchte stets, für jeden da zu sein, genug Zeit zu investieren und Interesse am Privatleben anderer zu zeigen.
Giuseppes unterschiedliche Interessen und Tätigkeiten waren bemerkenswert und vorbildlich. Er war ein leidenschaftlicher Koch, hatte ein wachsendes Interesse an Street Art und probierte sich selbst als ein solcher Künstler aus und besuchte regelmässig die Kletterhalle. Er joggte mehrere Male in der Woche und war als einziger Nichtjude Mitglied der Misgeret, eines Sicherheitsdienstes, der jüdische Institutionen vor Gewalt schützt. Seine vielseitigen Interessen brachten ihn mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen, doch selbst wenn er gerade einfach nur mit einem ins Kino ging, war es ein schönes Gefühl, das mit ihm zu unternehmen. Giuseppe arbeitete stets in unterschiedlichen Gewerben (zB. Gastronomie als Koch oder Diskothek als Liftboy). Ihn in wenigen Sätzen zu beschreiben scheint unmöglich, da er hierfür zu vielseitig war. Was man jedoch mit Sicherheit sagen kann, ist, dass es bei ihm um einen wahren Träumer handelte, von denen es heutzutage leider viel zu wenige gibt. Wenn er ein Ziel hatte, gab er stets alles um es zu verwirklichen. Die Bundeswehr war eins dieser wachsenden Ziele. Giuseppe fasste den Entschluss, sich in der Bundeswehr einzuschreiben, bei der er parallel sein Abitur nachholen wollte. Eine Aufgabe, der er mehr als gewachsen war. Den Einzug in die Bundeswehr durfte er jedoch leider nie erleben.
Giuseppe schaffte vieles, wovon andere nur Träumen. Er hatte unzählige Freunde, stand mit beiden Beinen im Leben und war ein liebender und geliebter Sohn, Bruder, Neffe und Enkelksohn. Er wird auch nach seinem Tod als Inspiration für viele Menschen wirken, die ihn immer in Ehren halten und nie vergessen, was bei diesem Menschen auch nicht möglich wäre.